SVFAB misst nicht nach eigenen Massstäben. Wir messen nach den Massstäben, die das Recht, die Wissenschaft und eine von der SRG selbst beauftragte Studie gesetzt haben.
Das Bundesgesetz über Radio und Fernsehen (RTVG) verlangt in Art. 4: «Redaktionelle Sendungen mit Informationsgehalt müssen Tatsachen und Ereignisse sachgerecht darstellen, so dass sich das Publikum eine eigene Meinung bilden kann» (Abs. 2). Und: «Konzessionierte Programme müssen in der Gesamtheit ihrer redaktionellen Sendungen die Vielfalt der Ereignisse und Ansichten angemessen zum Ausdruck bringen» (Abs. 4). Diese Norm ist kein Wunschdenken — sie ist geltendes Schweizer Recht. Über Beschwerden gegen den Inhalt redaktioneller Sendungen entscheidet die Unabhängige Beschwerdeinstanz für Radio und Fernsehen (UBI); von Amtes wegen wird sie nicht tätig (Art. 86 Abs. 5 RTVG).
SVFAB operationalisiert diesen gesetzlichen Auftrag: Wir übersetzen «Ausgewogenheit» von einem gefühlten Eindruck in messbare, dokumentierbare Kriterien.
2016 beauftragte die SRG SSR das Gottlieb Duttweiler Institute (GDI) — eines der renommiertesten Schweizer Forschungsinstitute — mit einer Grundlagenstudie zu ihrer Zukunft. Das Ergebnis: die Studie «Öffentlichkeit 4.0 – Die Zukunft der SRG im digitalen Ökosystem» (GDI, Rüschlikon/Zürich 2016).
Das GDI beschreibt darin, was ein medialer Service public leisten soll:
«Ein medialer Service public hat nicht die Aufgabe, ganz bestimmte Inhalte in die Köpfe der Bevölkerung zu transportieren. Er wirkt als Plattform, auf der Sinnstiftung durch einen gemeinsamen Austausch entsteht.»
Das wichtigste Qualitätsmerkmal, so das GDI, sei die Integrationsleistung: die Fähigkeit eines Mediums, unterschiedliche gesellschaftliche Gruppen in einen gemeinsamen Diskurs einzubeziehen.
Das GDI hielt fest, dass sich die Integrationsleistung «mit messbaren Kriterien überprüfen» lässt. Eine Analyse des gesamten Angebots fehlt bis heute; der Bundesrat schreibt: «Eine Analyse des gesamten Informationsangebots der SRG liegt dagegen nicht vor» (Antwort auf die Interpellation 26.3441, 27. Mai 2026).
SVFAB tut es.
Das GDI verweist auf eine Umfrage der Fairleigh Dickinson University aus dem Jahr 2012: Regelmässige Zuschauer von Fox News waren über Fakten aus dem In- und Ausland schlechter informiert als Menschen, die gar keine Nachrichten verfolgten. Am besten informiert waren die Hörerinnen und Hörer der nichtkommerziellen Sender von National Public Radio (NPR).
Öffentlich-rechtliche Medien müssten, so das GDI, «garantieren, dass der Diskurs demokratisch bleibt und von keiner Partei allein beherrscht werden kann – also verhindern, dass mediale Segregation entsteht».
Art. 4 RTVG ist kein bürokratisches Anhängsel. Er ist Demokratieschutz. SVFAB überprüft, ob er eingehalten wird.
Das Forschungszentrum Öffentlichkeit und Gesellschaft (fög) der Universität Zürich veröffentlicht jährlich das Jahrbuch Qualität der Medien — die massgebliche wissenschaftliche Referenz zur journalistischen Qualität in der Schweiz. Das fög misst die Qualität in den vier Dimensionen Relevanz, Vielfalt, Einordnungsleistung und Professionalität.
SVFAB ergänzt diesen Ansatz mit einer anderen Frage: Sind die Positionen der Bevölkerung proportional vertreten? Nicht ob ein Beitrag journalistisch sorgfältig ist — sondern ob das Gesamtprogramm die gesellschaftliche Meinungsvielfalt widerspiegelt, wie es Art. 4 RTVG verlangt.
Beide Ansätze sind komplementär. Das fög misst die Qualität des einzelnen Beitrags, SVFAB misst die Ausgewogenheit des Gesamtprogramms über Zeit.
SVFAB analysiert Sendungen der SRG (Tagesschau, Rundschau, 10vor10, Arena u.a.) mit einem KI-gestützten Verfahren nach 18 Kriterien: 17 Qualitätskriterien, 16 davon mit Score, und die politische Einordnung über CHES. Die Kriterien reichen von Expertenauswahl, Quellenauswahl und Vollständigkeit über Framing, Wortwahl und Guilt by Association bis zu Timing, Vorverurteilung und Quellenbelegung.
Die Analyse ist hochgradig reproduzierbar, transparent und nachprüfbar: Befunde, die sich an einer Stelle der Sendung festmachen lassen, sind mit Minute und Sekunde belegt und damit unabhängig überprüfbar.
Stand Oktober 2026 umfasst der SVFAB-Korpus gegen 30 Millionen Beiträge aus 150 Ländern in 70 Sprachen.
Unabhängige Medien — Zeitungen, Onlineportale, Blogs — dürfen eine redaktionelle Linie vertreten. Das ist ihr Recht, und es ist Teil der Meinungsfreiheit. Niemand erwartet von der Weltwoche oder der WOZ programmatische Neutralität.
Für öffentlich-rechtliche Medien gilt ein anderer Massstab. Die SRG erhält einen Anteil an der Radio- und Fernsehabgabe: 2024 waren es 1,319 Milliarden Franken, ab 2029 sind es gemäss Bundesrat rund 1,2 Milliarden, bezahlt von den Haushalten und Unternehmen. Art. 4 RTVG verpflichtet sie zu Sachgerechtigkeit und zur Vielfalt der Ansichten. Diese gesetzliche Pflicht gilt für Radio und Fernsehen, nicht für Zeitungen, Onlineportale oder Blogs.
SVFAB misst ausschliesslich die Einhaltung dieses gesetzlichen Auftrags. Wir messen öffentlich-rechtliche Sender, keine privaten Medien. Das ist keine Bevorzugung, sondern folgt aus der Finanzierung: Wer öffentliches Geld erhält, hat öffentliche Rechenschaftspflicht.
SVFAB ist kein politisches Komitee und keine Interessengruppe. Wir kritisieren keine Parteien und unterstützen keine. Wir messen — anhand von Kriterien aus Recht und Wissenschaft und aus der Studie, die die SRG selbst in Auftrag gab.
Unser Ziel ist eine SRG, die ihren eigenen Anspruch erfüllt.
Die SVFAB-Methodik ist in wissenschaftlichen Arbeiten dokumentiert und auf SSRN frei verfügbar:
Paper 1 — Gesamtframework
Schlaepfer, David (2026). Systematic AI-Assisted Analysis of Public Broadcaster Impartiality: A Scalable Methodological Framework for Measuring Structural Bias in Public Service Media.
SSRN: ssrn.com/abstract=6688478 · DOI: 10.2139/ssrn.6688478
Paper 2 — Rauscherkennung (Suppression Index)
Schlaepfer, David (2026). Measuring Editorial Noise: A Retrospective Suppression Index for Public Broadcasting Content Analysis.
Ergebnisse: svfab.ch/rauscherkennung · SSRN: ssrn.com/abstract=6733280
Paper 3 — Quellenampel & Glaubwürdigkeitsmatrix
Schlaepfer, David (2026). The Source Traffic Light: A Six-Dimensional Credibility Framework for Systematic Source Assessment in Public Service Media.
SSRN: ssrn.com/abstract=6733880 · DOI: 10.2139/ssrn.6733880
Quellen: Bundesgesetz über Radio und Fernsehen (RTVG), SR 784.40, Art. 4 und 86 · GDI Gottlieb Duttweiler Institute (2016): «Öffentlichkeit 4.0», im Auftrag der SRG SSR · Forschungszentrum Öffentlichkeit und Gesellschaft (fög), Jahrbuch Qualität der Medien 2015 · Fairleigh Dickinson University (2012), zitiert nach GDI 2016 · Bundesrat, Antwort auf die Interpellation 26.3441 (27. Mai 2026) · Bundesrat, Medienmitteilung vom 19. Juni 2024 (Abgabenanteil der SRG)